Antenne (digital)

Bei der Entwicklung digitaler Übertragungsverfahren für Rundfunkanwendungen ab den 1990er Jahren wurden neben Lösungen für das Fernsehen auch solche für den Hörfunk geschaffen. Digital Audio Broadcasting (DAB) und Digital Radio Mondial (DRM) gehören zu diesen terrestrischen Übertragungsstandards. Während DRM auf einen Ersatz der Analogübertragung in den jeweils gleichen Frequenzbereichen zielte, wurde für DAB ein neues Frequenzband im VHF-Band III (174 MHz bis 230 bzw. 240 MHz) erschlossen.

 

DAB - Digital Audio Broadcasting

Das gegenüber DAB mit einer effizienteren Audiokodierung und einem zusätzlichen Fehlerschutz ausgestattete DAB+ überträgt Hörfunkprogramme nicht mehr individuell, sondern in sog. Multiplexen oder Ensembles, wobei je nach verwendeten Übertragungsparametern bis zu 16 Programme einen Multiplex bilden. Am 1. August 2011 startete DAB+ mit einer bundesweiten Verbreitung von 9 privaten und 3 öffentlich-rechtlichen Programme des Deutschlandradios über den Kanal 5C (VHF-Bereich). Nachdem in Niedersachsen diese Programme zunächst in den Ballungszentren Hannover, Braunschweig, Osnabrück, Göttingen und Hildesheim ausgesendet wurden, ist der aktuelle Multiplex in sehr vielen Gebieten Niedersachsens zu empfangen. Darüber hinaus verbreitet der Norddeutsche Rundfunk seine Programme per DAB+ in verschiedenen Regionen über unterschiedliche Kanäle. Die aktuellen Verbreitungsgebiete sind auf der Web-Seite von Digitalradio zu sehen. Beide Sendernetze sollen kontinuierlich ausgebaut werden. Mit zunehmendem Interesse an DAB+ werden zusätzliche Aufschaltungen weiterer Multiplexe mit neuen Programmen erfolgen. Gerade aktuell ist die DAB+-Verbreitung eines zweiten bundesweiten Multiplexes in Vorbereitung.

 

DAB+-Modellversuch in Niedersachsen

Eine der Stärken von DAB/DAB+ ist, dass großflächige Sendernetze durch Gleichwellennetze frequenzeffizient verwirklicht werden können. Realisiert werden diese sog. Single Frequency Networks (SFN) durch die Nutzung derselben Frequenz an allen Senderstandorten. Voraussetzung dafür ist, dass von allen an einem SFN beteiligten Senderstandorten die exakt selben Daten ausgestrahlt werden. Dieses Konzept steht damit im Widerspruch zur Einführung lokaler Hörfunkdienste und lokaler Werbung, für die unterschiedliche Daten von unterschiedlichen Senderstandorten ausgestrahlt werden müssen. Das Niedersächsische Mediengesetz (NMedienG) ermöglicht seit 2011 das Aussenden von lokalem Hörfunk durch lokale Veranstalter und lokale Fensterschaltungen in den landesweit ausgestrahlten Programmen. Beide Angebote werden in Niedersachsen mit UKW realisiert und sind Bestandteil der aktuellen Geschäftsmodelle niedersächsischer Hörfunkveranstalter. Aus diesem Grund hat  die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) die Durchführung eines Modellversuches nach § 31 Abs. 2 NMedienG bei der Niedersächsischen Staatskanzlei angezeigt. Der auf einer Verordnung der Staatskanzlei basierende Modellversuch hat zum Ziel, die oben beschriebene Problematik wissenschaftlich zu untersuchen und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) konnte für eine Projektbeteiligung gewonnen werden. Die wissenschaftlich-technische Betreuung erfolgt durch das Institut für Nachrichtentechnik (IfN) der Technischen Universität Braunschweig. Weitere Infos zum Modellversuch gibt es hier.

 

DRMDigital Radio Mondiale

DRM wurde mit dem Ziel entwickelt, die Lang-, Mittel und Kurzwelle zu digitalisieren (DRM30). Zusätzlich erlaubt der Standard, über sehr enge Übertragungskanäle (9 kHz Bandbreite) eine Datenrate von 22 kbit/s zu verbreiten. Für die Digitalisierung des UKW-Bandes wird die Variante DRM+ eingesetzt, die die Übertragung von bis zu 4 Programmen pro 100-kHz-Kanal ermöglicht. Im Rahmen eines - von der NLM unterstützten - Modellversuchs wurde in Hannover weltweit der erste DRM+-Sender von der Leibniz-Universität Hannover entwickelt und erprobt.